Literaturfenster Österreich | Was macht der Krieg mit den Menschen? – Mascha Dabic im Interview
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Was macht der Krieg mit den Menschen? – Mascha Dabic im Interview

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as macht der Krieg mit den Menschen? – Mascha Dabic im Interview

 

Nora ist Dolmetscherin und unmittelbar in die Geschichten und Erlebnisse ihrer Klienten und Klientinnen involviert, die sie während einer Therapiesitzung offen legen. Nicht nachvollziehbar erscheint ihr zunächst die Forderung des Vorgesetzten, man solle sich von den persönlichen Schicksalen distanzieren und nur auf die Arbeit des Dolmentschens konzentrieren.  Immer weniger wird sie dieser Forderung gerecht und gerät zunehmend in eine Not, sich von den traumatisierenden Erlebnissen der Menschen abzugrenzen.

Mascha Dabić, , 1981 in Sarajewo geboren, ist selbst 1992 als Kriegsflüchtling nach Österreich gekommen. In ihrem Roman setzt sie sich mit den Themen Krieg, Verfolgung, Armut, Vergewaltigung sowie Verlust und Trauer auseinander. Keine Unterhaltungslektüre also, die man nebenbei am Sonntagnachmittag neben Kaffee und Mehlspeis konsumieren könnte.

Dabic setzt auf Konfrontation mit Themen, die berühren, die aus der Mitte der Gesellschaft kommen, uns sensibilisieren und dazu anregen, genauer hinzuschauen auf Missstände, Brüchigkeit und Vergänglichkeit.

Mit den Augen der Protagonistin Nora nehmen wir das Thema Krieg genauer unter die Lupe, erfahren, welche Spuren Kriege und kriegsähnliche Zustände bei Menschen an Körper und Seele hinterlassen. Erzählt wird nicht nur aus der Perspektive der Dolmetscherin, auch die Sichtweise der Geflüchteten oder Gefolterten kommt zur Sprache. Darüber hinaus gewährt die Autorin Einblick in den Alltag eines Flüchtlingsheim und den damit verbundenen Schwierigkeiten im Zusammenleben der Bewohner/innen.

Die Tonalität des Textes wirkt weder weinerlich noch aufgesetzt. Mit Humor, Witz und Ironie werden insbesondere dramatische Szenen „entschärft“ ohne ins Banale abzugleiten. Der Krieg jedoch, betont Dabic im Interview, „ist eine lebenslange Angelegenheit, ein Trauma, das ein Leben lang wirksam ist“.

Mascha Dabić, geboren 1981 in Sarajevo, studierte an der Universität Wien, am Institut für Translationswissenschaften (Englisch und Russisch), schrieb ihre Dissertation zum Thema „Die Rolle des Dolmetschers in der Psychotherapie“. Derzeit arbeitet sie als Dolmetscherin im Asyl- und Konferenzbereich sowie an der Universität Wien. Ihr Roman stand auf der Shortlist Debüt des Österreichischen Buchpreises 2017. Im Jahr darauf, 2018 erhielt die Autorin den Förderungspreis der Stadt Wien in der Sparte Literatur.

 

Mascha Dabić: Reibungsverluste.
Roman. 2017. Wien: Edition Atelier.
ISBN: 978-3-903005-47-1

Hinweis: Das Interview mit Mascha Dabić können Sie am 26.2.2019, um 18Uhr, auf Radio Orange, www.o94.at/ Literaturfenster Österreich hören.

Im Archiv CBA ist es abrufbar unter:  Der Krieg ist ein Trauma, das ein Leben lang wirksam ist

Die Rezension erschien in: Die Alternative, März 2019.

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