Literaturfenster Österreich | Theaterkritik: Werk X: Die verlorene Ehre der Katharina Blum (H.Böll)
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Theaterkritik: Werk X: Die verlorene Ehre der Katharina Blum (H.Böll)

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heaterkritik: Werk X: Die verlorene Ehre der Katharina Blum (H.Böll)

Harald Posch hat den Klassiker Heinrich Bölls vor dem Hintergrund gegenwärtiger Medienpolititik und Denunziation von Journalismus als Fake-News sowie den Einsatz von Lügen als Propagandainstrument für´s Theater adaptiert.  

Cornelia Stahl besuchte die Premiere im Werk X:

Im Mittelpunkt des Stückes „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ steht die sukzessive Zerstörung einer jungen Frau durch bewusst eingesetzte Falschmeldungen in Printmedien.  

In der Hauptrolle überzeugt die Grimme-Preisträgerin Jennifer Frank, die nach Engagements am Burg- und Volkstheater Wien seit 2013 auf Bühnen Deutschlands und der Schweiz präsent ist, eine junge Frau mit einem wachen und suchenden Blick auf der Bühne, mal energisch, dann plötzlich  zurückhaltend, zweifelnd und in Gedanken versunken.

Erfrischend komisch und skurril wirken die von Sören Kneidl, Peter Pertusini und Daniel Wagner gespielten Verhörprotokolle der Katharina Blum, ein Pendeln zwischen Annäherung, Distanz und Vernehmung einer Frau, die von dem grundlegenden Menschenrecht- das Recht, Nein zu sagen, Stopp zu sagen, sich dem patrirchalen Willen zu beugen, Gebrauch macht.

Der stufenförmige Aufbau der Bühne, die Bespielung eines Containers sowie Videoeinblendungen verleihen dem Stück eine mitunter turbulent wirkende Dynamik. Pappfigurengesichter aktuell amtierender Politiker verleihen dem Stück Brisanz und Gegenwartsbezug.  

Dass der Klassiker von 1974 in Europa hochaktuell ist, zeigen unzählige Beispiel von Diffamierungen in Boulewardblättern und ihr Einfluss auf rechtspopulistische Entwicklungen. Wenn kritische Stimmen wie Robert Misik und Florian Klenk angefeindet werden, ist das mehr als bedenklich.

Ein aktuelles Stück, das den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft seziert.

Unbedingt ansehen!

Aktuelle Termine:        17.04. und 18.04.2019, jeweils 19.30Uhr

WERK X, Oswaldgasse 35A, 1120 Wien, – 01/535 32 00 11, reservierung@werk-x.at

 

Die Theaterkritik erschien in: Die Alternative, April 2019

 

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