Literaturfenster Österreich | Margarete (Grete) Jost – mehr als eine einfache Schuhverkäuferin 
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Margarete (Grete) Jost – mehr als eine einfache Schuhverkäuferin 

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argarete (Grete) Jost – mehr als eine einfache Schuhverkäuferin 

Die 1916 geborene Margarete Jost würde heuer ihren 101.Geburtstag feiern. Doch nur kurz war das Leben der sozialdemokratisch sozialisierten Frau, die im Rabenhof, im 3.Wiener Gemeindebezirk mit zwei Schwestern aufwuchs. 

Bereits mit sieben Jahren tritt Grete dem  Arbeiterturnverein bei, wird als Schuhverkäuferin aktives Gewerkschafts-mitglied und schließt sich 1934 der ein Jahr zuvor verbotenen KPÖ an. Grete Jost wird eine wichtige Funktionärin der Widerstandszelle Rabenhof. Sie nimmt an Schulungen der KPÖ teil und wird ab 1937 Zellenkassiererin. Unmittelbar danach beginnt sie, Druckschriften zu verteilen und engagiert sich ab 1938 als Vermittlerin zwischen Parteigenossen und -genossinnen und KPÖ-Funtionären/ Funktionärinnen. An der Südbahnstrecke (Bezirksorganisation Baden) wird Grete Jost als wichtige Verbindungs-person zu den verbotenen Organisationen der KPÖ eingesetzt und engagiert sich in der illegalen Parteiarbeit.

Im Juli 1940 erfolgen vierzig Festnahmen von Kommunisten/ Kommunistinnen im Raum Baden. Grete Jost bleibt unerschrocken, kassiert Beitragsgelder zur Unterstützung inhaftierter Genossen/ Genossinnen und deren Angehöriger. Sie trifft sich weiterhin mit Parteigenossen/ Parteigenossinnen im Raum Baden, erörtert die illegale KPÖ-Arbeit und verteilt antifaschistische Drucksachen wie „Rote Fahne“,  „Weg und Ziel“ sowie den „Brief eines jungen Arbeiters an einen nationalsozialistischen Arbeitskameraden“. Margarete Jost wird zur Angriffsfläche der National-sozialisten, da die Drucksachen die Arbeiterschaft offensiv zur Zerschlagung des Hitlerfaschismus auffordern. Ihrem illegalen Engagement in der KPÖ folgt die Festnahme am 8.Februar 1941. Aber auch im Untersuchungs-gefängnis, in der Schiffamtsgasse in Wien-Leopoldstadt, gibt sie den Kampf gegen das Hitlerregime nicht auf, zeigt sich solidarisch mit Mitgefangenen, gibt von ihrem wenigen Essen ab und ermutigt andere Häftlinge. Am 23.September 1941 wird sie wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Bis zu ihrer Hinrichtung blieb Grete Jost hoffnungsvoll, ihrem Todesurteil zu entgehen. Am 15.Jänner 1943 wird sie durch das Fallbeil hingerichtet. Ihre Unerschrockenheit und Freiheitsliebe drückte sie mit den letzten Worte aus: „Es lebe die Freiheit!“*  

Im Gedenken an Grete Jost veranstaltet das gleichnamige überparteiliche Personenkomitee alljährlich eine antifaschistische Kundgebung, die im Zeichen „Niemals vergessen“ steht.

Am 21.1.2017 versammelten sich vor der Gedenktafel beim Rabenhof, in dem Grete Jost mit ihrer Familie gewohnt hat, Antifaschist*innen aus unterschiedlichen Bereichen. Die Kundgebung wurde von der Bezirksrätin der Bündnisliste Wien andas-KPÖ, Susanne Empacher sowie Vertreter/Vertreterinnen der Sozialistischen Jugend inhaltlich gestaltet. Eine eindrucksvolle Rede hielt die Bezirksrätin und warnte, angesichts der Zunahme rechtsextremer Strömungen, vor dem erneuten Erstarken von Fremdenhass und Gewalt. Lieder wie „Die Internationale“ begleiteten die Kundgebung. In den Räumen der SPÖ-Landstraße lasen anschließend Irene Filip, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) und Johanna Franz, ehemalige Theaterleiterin der „Drachengasse“, aus Erinnerungen von Österreicherinnen, die als Freiwillige bei den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft haben.

Der Wiener Musiker Chris Peterka begleitete die Lesung mit politischen Liedern.

* In Anlehnung an: Ilse Korotin (Hg.): biografiA Lexikon österreichischer Frauen, Band 2, I-O, S.1520-1521. Böhlau Verlag Wien Köln Weimar 2016.

Dieser Artikel erschien in: Die Alternative, März/April 2017.

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