Literaturfenster Österreich | Erinnern und Vergessen – „Mit erhobenem Kopf“
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Erinnern und Vergessen – „Mit erhobenem Kopf“

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rinnern und Vergessen – „Mit erhobenem Kopf“

Rike Reiniger zeichnet in einem Theatermonolog das Leben des sinto-deutschen Boxers Rukelie Trollmann nach, verbindet Einzelschicksal mit der Chronologie des Völkermordes an den Roma und Sinti.

Erinnern und Vergessen – zwei Bewusstseinsmomente, die eng miteinander verwoben sind. Hans will endlich vergessen. Vergessen, wie er damals seinen Freund Ruki kennengelernt und was er alles von ihm gelernt hat. Das Boxen. Das Boxen hat ihm Ruki beigebracht. Doch dann, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, hinderten sie ihn daran, am Boxen. Er hieß von nun an der „Zigeunerboxer“, durfte nicht mehr Boxen. Eine schlimme Zeit war das damals! Und dann im Arbeitslager: die Widerbegegnung mit Ruki. Kämpfen mussten sie zur Belustigung der SS-Wachmänner. Und dann der Schuss, als Ruki einen SS-Mann niederschlug. Hans will vergessen, doch die Erinnerung ist auch nach Jahren präsent wie am ersten Tag.  

Rike Reiniger erzählt in einem berührenden Theatermonolog anhand der Geschichte einer Freundschaft, die Verbundenheit zweier Menschen, die verboten wird, aber in ihrer Intensität über den Tod des geliebten Menschen hinausgeht und weiterlebt. Die Geschichte des Boxers ist in weiten Teilen identisch mit der Biogrphie des Boxers Johann Rukeli Trollmann, geboren 1907, der 1944 in einem Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Der mittlere Teil des Buches enthält ein Interview mit Rita Vowe-Trollmann, der Tochter des Boxers. Im Anhang werden die Lebensdaten des Boxers verküpft mit der Chronologie des Völkermordes an den Roma und Sinti. –  Reiniger, aufgewachsen in Bochum, studierte Regie und Dramaturgie für Puppentheater in Prag und in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft, inszenierte in der freien Szene Berlins und war Mitbegründerin des interkulturellen Theater-Ensembles Kumpanya. Engagements brachten sie an die Landesbühnen Sachsen, das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen und das Theater junge Generation Dresden. 2016 wurde ihr Stück „Zigeunerboxer“ im Buranteatr Brno, in der Spielzeit 2016/17 auch in Hof, „Junges Theater Hof“ (Klassenzim-merstück) gezeigt. Rike Reiniger lebt als Regisseurin und Autorin in Berlin. Ihr Buch bietet Anregungen, sich in vielfältigen Formen mit dem Thema Holocaust auseinanderzusetzen!

Rike Reiniger: Zigeunerboxer: Berlin- Klak-Verlag, 2015.                                                         

(erschienen in: Die Alternative, September/Oktober 2017).

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