Literaturfenster Österreich | Ausstellung Zwangsarbeit im Nationalsozialismus Steyr 2016
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Ausstellung Zwangsarbeit im Nationalsozialismus Steyr 2016

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ie europäische Dimension der Zwangsarbeit
Nach den Stationen Berlin, Dortmund, Hamburg, Moskau, Prag und Warschau wird nun die internationale Ausstellung „Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ in Österreich gezeigt, in Steyr, einem ehenaligen Zentrum der NS-Zwangsarbeit.

Was hat der Ort Steyr in Oberösterreich mit dem Nationalsozialismus zu tun? Bei einem Besuch wirkt die Kleinstadt zunächst verträumt und beschaulich, und lässt keineswegs erahnen, dass dieses Städtchen auch andere Zeiten erlebt hat.
Im Museum Arbeitswelt Steyr, einem ehemaligen Betriebsgebäude der Steyr-Daimler-Puch AG (bis 1934 Steyr Werke) wurde während des Dritten Reiches Geschichte geschrieben, die Geschichte eines expandierenden Rüstungskonzernes. 1944 hatte er zirka 50 000 Beschäftigte an verschiedenen Standorten im Reich und in den besetzten Ländern. Zwangsarbeiter/innen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge mussten an diesem Ort Panzer, Gewehre und andere Kriegsgüter produzieren. In Steyr-Münichholz entstand auf Initiative der Generaldirektors und SS-Standartenführers Georg Meindl 1942 das erste Außenlager des KZ Mauthausen.
Wer die im Erdgeschoss des Museums angesiedelte Ausstellung betritt, ahnt zunächst wenig von ihrem Ausmaß. In fünf Abteilungen wie Gewöhnung, Gewalt und Ausgrenzung vor dem Krieg (1933-1939); Radikalisierung, Zwangsarbeit im besetzten Europa (ab 1939); Massenphänomen. Zwangsarbeit im Deutschen Reich (1942-1945); Befreiung, Aufarbeitung und Folgen der Zwangsarbeit und Gerechtigkeit nähert sich der Besucher/ die Besucherin Schritt für Schritt dem Thema Zwangsarbeit. Exponate, Schaubilder und Hörprotokolle ehemaliger Zwangsarbeiter/innen geben Auskunft über Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus. „Die Ausstellung verdeutlicht, wie stark die Gesellschaft in Deutschland und Österreich nationalsozialistisch durchdrungen war“, hebt Prof. Dr. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung „Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora“ hervor. Sie beleuchtet das rassistisch definierte Verhältnis zwischen der sogenannten „Volksgemeinschaft“ und den Zwangsarbeiter/innen. Das Besondere der Schau liegt in der Aufarbeitung der europäischen Dimension der Zwangsarbeit. 1938, durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und die Machtübernahme der Nationalsozialisten, etablierte sich Zwangsarbeit auch in Österreich.
Der im Wallstein-Verlag Göttingen herausgegebene Katalog zur Ausstellung, mit einem Extra- kapitel „Zwangsarbeit in Österreich zwischen 1938-1945“, ergänzt den Museumsbesuch idealerweise. Die Ausstellung „Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ), ist bis 18.Dezember 2016, im Museum Arbeitswelt Steyr zu sehen:
Dienstag bis Sonntag, 9-17Uhr. Termine und Filme, unter www.museum-steyr.at

Cornelia Stahl
Redakteurin Literaturfenster Österreich
-Radio Orange-

Die Autorin bedankt sich bei Stephan Rosinger, Museum Arbeitswelt Steyr, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares „Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“, Göttingen: Wallstein. 2016.

Hinweis: Die im Text genannten Ausstellungsabteilungen sind der Gliederung des Kataloges entlehnt. Sie entsprechen nicht den tatsächlichen Bezeichnungen der Ausstellungsabschnitte im Museum Arbeitswelt Steyr.

Erschien in: „Die Alternative“. November 2016.

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